
Ein knüppelharter Konkurrenzkampf zwischen den Chip-Herstellern Intel und AMD. Der US-Chipkonzern soll AMD massiv behindert haben und hat dafür von der EU-Kommission eine Heldstrafe in Höhe von 1,06 Milliarden Euro kassiert. Wettbewerbskommissarin Kroes erklärte, Intel habe damit Millionen europäischer Verbraucher geschadet.
Am Mittwoch sagte Wettbewerbskommissarin, Neelie Kroes, in Berlin: "Das sei kein Kaffeegeld". Noch nie hat die EU-Kommission so eine hohe Geldstrafe gefordert wie bei Intel. Das Unternehmen Intel, weltgrößter Chip-Hersteller soll eine Strafe 1,06 Milliarden Euro zahlen, da das Unternehmen die marktbeherrschende Stellung missbraucht habe. "Intel hat Millionen europäischer Verbraucher geschadet, indem es viele Jahre lang gezielt versucht hat, Wettbewerbern den Zugang zum Computerchipmarkt zu verwehren“, sagte Kroes. „Ein derart schwerer und anhaltender Verstoß gegen das EU-Kartellrecht kann nicht hingenommen werden." Intel streitet die Vorwürfe ab und kündigte an, sich damit nicht abzufinden.
Nach Angaben der EU-Kommission war Intel, von 2002 bis 2007 mit einem Marktanteil von mindestens 70 %, weltweiter Marktführer für Hauptprozessoren (CPU's) der Bauart x86. Weltmarkt belaufe sich im Moment auf rund 22 Milliarden Euro pro Jahr, wobei 30 % dieses Umsatzes auf Europa entfallen. Intels größter Konkurrent ist das US-Unternehmen AMD, auf dessen Beschwerden hin aus den Jahren 2000, 2003 und 2006 die Prüfung durch die EU erfolgte.
Die Kommission kam zu dem Ergebnis, Intel hat sich zweierlei strafbar gemacht. Über Jahre hat Chip-Hersteller Intel Geld an die Media Saturn Holding, Mutterkonzern der Elektronikmarktkette Media-Markt, gezahlt, damit ausschließlich nur Computer mit Intel-Prozessoren verkauft werden. Sogar im Media-Markt Dresden, in der Nähe von dem Chipwerk AMD, gab es keine Computer mit AMD-Chips zu kaufen. Die EU will gegen Media-Markt nicht vorgehen, laut Kroes ist die Kette Opfer und nicht Täter.
Zum anderen hat der Großkonzern Intel mit wettbewerbswidrigen Rabatten einzelne Unternehmen beeinflusst. Ein PC-Produzent soll belohnt worden sein, dass er den Markstart einer Produktserie mit AMD-Prozessoren künstlich verzögert haben soll. Andere erhielten Sonderrabatte wenn sie nur Intel-Prozessoren im Angebot hatten. Zu den Unternehmen gehören Acer, Dell, HP, Lenovo und NEC.
"Millionen Verbraucher in Europa waren über fünf Jahre hinweg betroffen – die Höhe des Bußgeldes sollte deshalb keine Überraschung sein", sagte Kroes. Der Konkurrent und natürlich auch Verbraucherschützer reagierten positiv auf die Entscheidung der Kommission. Sie hat zwar "keine unmittelbaren Auswirkungen für Verbraucher", hieß es im Bundesverband der Verbraucherzentrale in Berlin, dennoch wird dieser wichtige Schritt einen Abschreckungseffekt mit sich bringen.
Intel verteidigt das, was als rechtswidrige Geschäftspolitik bezeichnet wurde, als legales Rabattsystem, von dem der Verbraucher durch die niedrigen Endkundenpreise profitierte. "Wir glauben, dass die Entscheidung falsch ist", sagte Intel-Chef Paul Otellini und kündigte rechtliche Schritte gegen die Entscheidung der Kommission an. Chefjurist Bruce Sewell bestreitet die Vorwürfe, dass Gelder für den Einbau und den Verkauf von Intel-Prozessoren, gezahlt wurden.
Quelle: tagesspiegel.de